Beim Europäischen Gerichtshof ist derzeit ein Verfahren anhängig, das sich mit diskriminierenden Aussagen außerhalb eines Arbeitsverhältnisses befasst (EuGH, Rechtssache C-507/18). Ein italienischer Rechtsanwalt hatte in einem Interview im Radio geäußert, dass er niemals homosexuelle Menschen als Mitarbeiter einstellen oder sonst mit ihnen zusammenarbeiten würde. Das Interview fand unabhängig von einem konkreten Bewerbungsverfahren statt, da die Kanzlei zu dieser Zeit keine Mitarbeiter suchte.

Eine Rechtsanwaltsvereinigung, die sich speziell für die Interessen von Menschen mit unterschiedlicher sexueller Ausrichtung einsetzt, klagte dagegen vor einem italienischen Gericht und zog durch alle Instanzen. Der Oberste Gerichtshof der ordentlichen Gerichtsbarkeit in Rom setzte das Verfahren aus und legte den Fall dem Europäischen Gerichtshof vor.
Zunächst möchte er wissen, ob die Anwaltsvereinigung klagebefugt ist, obwohl vorliegend kein Geschädigter vorhanden ist. Weiterhin möchte er die Frage entscheiden lassen, ob auch eine außerhalb des Arbeitsumfelds getätigte Äußerung unter den Diskriminierungsschutz der EU-Richtlinie 2000/78 fällt, die sich namentlich auf Diskriminierungen in Beschäftigung und Beruf bezieht.
Am 31.10.2019 stellte Generalanwältin Eleanor Sharpston ihren Schlussantrag mit dem Ergebnis, dass auch eine außerhalb eines konkreten Arbeitsverhältnisses oder Bewerbungsverfahrens getätigte Aussage unter Umständen einen arbeitsrechtlichen Verstoß darstellt.
Das nationale Gericht müsse jeweils im Einzelfall entscheiden, wie hypothetisch die Aussage formuliert sei und ob sich dadurch potenzielle Mitarbeiter von einer Bewerbung abhalten lassen könnten. Die Entscheidung des Gerichtshofs wird in den nächsten Monaten erwartet.