Endlich dürfen die Deutschen wieder in den sonnigen Süden verreisen, allerdings nicht ohne Konsequenzen nach der Rückkehr befürchten zu müssen. Wird ein Urlaubsland als Risikogebiet eingestuft, müssen Rückkehrer sich unverzüglich beim zuständigen Gesundheitsamt melden und sich für 14 Tage in Selbstisolation begeben. Doch wer zahlt für diese Zeit den Verdienstausfall?

Anspruch aus dem Infektionsschutzgesetz

Während bei einer Erkrankung ein Anspruch nach dem Lohnfortzahlungsgesetz besteht, greift für die Quarantäne aufgrund behördlicher Anordnung der Anspruch aus § 56 Infektionsschutzgesetz (IfSG) ein. Arbeitnehmer, die wegen der häuslichen Isolation nicht arbeiten können, dürfen ihren vollen Lohn inklusive Sonderzahlungen vom Arbeitgeber verlangen, der seinerseits die zuständige Behörde in Anspruch nehmen kann. Falls der Arbeitgeber die Zahlung verweigert, darf sich der Betroffene direkt an die Zahlstelle wenden, in den meisten Ländern sind die Bezirksregierungen oder Gesundheitsämter zuständig.

Bewusste Reise in ein Risikogebiet?

Aber Vorsicht: Wenn ein Mitarbeiter sich in Quarantäne begeben muss, weil er wissentlich in ein Risikogebiet gereist ist, kann ihm ein eigenes Verschulden angelastet werden. In den Fällen, in denen ein Arbeitnehmer seinen Ausfall selbst verschuldet hat, entfällt sein Anspruch. Darüber hinaus kann der Arbeitgeber unter Umständen sogar Schadenersatz verlangen, wenn ihm Verdienstchancen entgangen sind, weil er auf seinen Mitarbeiter verzichten musste. Deshalb hat sich die Praxis herausgebildet, dass Arbeitgeber ihre Angestellten neuerdings detailliert zu ihren Urlaubsplänen befragen. Die Zulässigkeit solcher Einblicke in die Privatsphäre der Beschäftigten wird in der Rechtslehre angesichts der akuten Gefahrensituation überwiegend bejaht.

War das Risiko bei Reiseantritt noch nicht bekannt?

Hat sich der Urlauber dagegen guten Gewissens in ein als unbedenklich eingestuftes Land aufgemacht, das dann während seines Aufenthalts plötzlich auf die Liste geraten ist, trifft ihn kein Verschulden. Der Arbeitgeber muss also die Lohnkosten zunächst vorschießen und kann sie sich sodann erstatten lassen.
Urlaubswillige sollten sich direkt vor dem Reiseantritt informieren, ob ihr Zielland vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft wurde und infolgedessen auch das Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausgesprochen hat. Zwar sind die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts keine Gewähr dafür, sich nicht im Zielgebiet mit dem Virus zu infizieren. Zumindest aber können Arbeitnehmer sich darauf verlassen, dass ihnen nach ihrer Rückkehr keine finanziellen Einbußen drohen.