Von einer Versetzung sind Arbeitnehmer selten begeistert, und sie müssen ihr auch nicht in jedem Fall Folge leisten. Der Arbeitgeber darf Sie nicht willkürlich in eine Hunderte von Kilometern entfernte Niederlassung schicken, sondern muss unter Billigkeitserwägungen entscheiden.

Wie ist die Gesetzeslage?

Nach § 95 III Betriebsverfassungsgesetz liegt eine Versetzung vor, wenn sich die Arbeitsaufgaben erheblich verändern und diese Veränderung mindestens einen Monat anhält. Die Gewerbeordnung räumt dem Arbeitgeber in § 106 ausdrücklich ein Weisungsrecht ein. Danach darf dieser den Ort und den Inhalt der Arbeitsaufgaben grundsätzlich bestimmen, allerdings nach „billigem Ermessen“. Viele Arbeitsverträge enthalten Klauseln, die Versetzungen unter erleichterten Bedingungen erlauben. Entsprechende Sonderbestimmungen können sich auch aus einem Tarifvertrag ergeben. Dennoch darf der Arbeitgeber keine Willkür walten lassen, sondern muss ein berechtigtes Interesse haben und soziale Gesichtspunkte in seine Entscheidung einbeziehen.

Wann ist eine Versetzung unzumutbar?

Die Rechtsprechung geht heute davon aus, dass Fahrten zur Arbeitsstelle von etwa einer Stunde bis maximal zwei Stunden angesichts der Arbeitsmarktsituation hinnehmbar sind. Wird der Arbeitnehmer aber so weit von seinem Wohnort entfernt eingesetzt, dass er nicht mehr abends nach Hause fahren kann, ist die Versetzung zumeist unzumutbar. Dies gilt zumindest dann, wenn der Betroffene Kinder im Kita- oder Schulalter hat. Zu berücksichtigen ist neben der Entfernung auch der Umfang der Tätigkeit. Das Hessische Landesarbeitsgericht entschied folgenden Fall: Eine Frau arbeitete in Teilzeit in einem Büro bei Darmstadt. Der Arbeitgeber versetzte sie für ihre zwei Arbeitstage in der Woche nach London. Das Gericht sah die Versetzung als unwirksam an.

So können Sie sich wehren

In größeren Unternehmen, die einen Betriebsrat haben, muss dieser seine Zustimmung zu einer Versetzung erteilen, soweit es sich nicht um einen leitenden Angestellten handelt. Bringen Sie also möglichst umgehend Ihr Anliegen beim Betriebsrat vor. Versuchen Sie außerdem, mit Ihrem Arbeitgeber eine einvernehmliche Lösung zu finden. Falls alles nichts hilft, holen Sie anwaltlichen Rat ein. Im Falle einer unwirksamen Versetzung steht Ihnen das Recht zu, ihre Arbeitsleistung zu verweigern. Sie könnten dadurch allerdings Ihren Gehaltsanspruch verlieren, und falls die Versetzung sich doch als zulässig herausstellen sollte, riskieren Sie sogar eine Abmahnung oder die fristlose Kündigung. Der taktisch klügere Weg wird meistens eine arbeitsgerichtliche Klage auf Weiterbeschäftigung oder eine Aufhebung des Arbeitsvertrages sein.